Sicherheit durch Denken in Generationen

Wohin man auch schaut – Unsicherheiten prägen das Geschehen, sei es im privaten, wirtschaftlichen oder weltpolitischen Bereich. Verstärkt durch die Pandemie beschleicht einen das Gefühl, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Umso stärker macht sich die Sehnsucht nach Sicherheit und Stabilität bemerkbar. Ein probates Mittel zur Bewältigung dieser Situation ist langfristiges und über den eigenen Tellerrand hinausblickendes Denken.

Der Finanzplatz Liechtenstein zeichnet sich durch solch langfristiges Denken – das Denken in Generationen – aus. Dieser Aspekt ist gerade in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert. Es gibt viele gut funktionierende Finanzplätze auf der Welt, aber nur ganz wenige mit einem solchen Leistungsausweis im Bereich Stabilität und Sicherheit. Das Stiftungsrecht, eine der wichtigen Stützen des hiesigen Finanzplatzes, wird in wenigen Jahren das hundertjährige Jubiläum feiern können. Noch viel wichtiger als diese lange Dauer ist der hohe Stellenwert, den der liechtensteinische Gesetzgeber bewährten Institutionen und insbesondere der Rechtssicherheit beimisst. Man darf nun fast 100 Jahre auf die Institution der Stiftung zurückblicken und mit Stolz feststellen, dass gesetzliche Anpassungen nur behutsam erfolgt sind, und das, was sich geändert hat, dem Instrument der Stiftung zugutegekommen ist. So wurden vor zehn Jahren die Governance und damit auch die Rechte der Begünstigten gestärkt und es hat sich gezeigt, dass sich das sehr bewährt hat.

Die Stabilität und Rechtssicherheit, auf die der liechtensteinische Finanzplatz zählen kann, basiert aber auch auf anderen Faktoren. Dazu gehört die Lage im Herzen Europas, die wirtschaftliche Offenheit und Neugier, die internationale Ausrichtung und nicht zuletzt das stabile politische System, einem einzigartigen Mix aus Monarchie und Demokratie. Auch diesem System ist das langfristige Denken eigen.

Das «Über-den-Tellerrand-Hinaus-denken» hat sich zum Beispiel beim Beitritt Liechtensteins zum EWR bemerkbar gemacht. Obwohl wirtschaftlich engstmöglich mit der Schweiz verbunden, hat Liechtenstein – von wenigen Ausnahmen abgesehen – diskriminierungsfreien Zugang zur schweizerischen und europäischen Wirtschaft. Diese Einbindung stärkt nicht nur die Wohlfahrt, sondern hält auch fit – man ist im Wettbewerb und die Regeln sind, soweit sich das obrigkeitlich sinnvoll verordnen lässt, für alle gleich.

Ein anderes, weiter zurückliegendes Beispiel für das «Über-den-Teller-rand-Hinausdenken» war die Einführung des Trustrechts im Jahre 1928. Diese, aus dem angelsächsischen Rechtsraum stammende Rechtsform mit dort jahrhundertelanger Tradition erfreut sich auch hierzulande steigender Beliebtheit, gerade für die Kundschaft aus diesen Landen. Nun, im Jahre 2022 gibt es auch in der Schweiz Überlegungen, den Trust einzuführen. Es darf angenommen werden, dass hier Liechtenstein als ein Vorbild dienen wird, wenn es darum geht, ein nicht ganz einfach zu integrierendes Gebilde angelsächsischer Herkunft in das kontinentaleuropäische Rechtssystem einzugliedern. So viel vorneweg, es braucht ein gutes Mass an Pragmatismus, eine Eigenschaft, die zu den Stärken Liechtensteins gehört. Allerdings ist zu bemerken, dass es auf der Gegenseite immer herausfordernder wird, bürokratiedurchtränkten EU-Wettbewerbsvorschriften mit Augenmass zu begegnen. Ein Verlust an Pragmatismus wäre auch ein Verlust an wertvoller Sicherheit – noch sind wir hier jedoch auf gutem Weg.

Ivo Elkuch, Geschäftsführer Liechtensteinische Treuhandkammer.

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