Resilienz in schwierigen Zeiten

Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS am 19. März dieses Jahres stellt für die Schweiz ein epochales Ereignis und für die globale Finanzindustrie möglicherweise eine Zäsur dar.

Mit der Übernahme der ins Wanken geratenen Credit Suisse durch die UBS wurde das Schicksal der zweitgrössen Schweizer Bank und eines der weltweit grössten Finanzhäuser besiegelt. Und doch scheint diese unternehmerische  Kernschmelze in der öffentlichen Diskussion schon in den Hintergrund gerückt zu sein. Dies mag einerseits an der bis anhin recht geräuschlosen Integration der CS in die UBS liegen.

Andererseits rührt es wohl auch daher, dass die  jüngste Vergangenheit so reich an globalen Krisen war. Seien es  Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine, die daraus folgende Energieknappheit oder der drohende Flächenbrand im  Pulverfass Nahost, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Welt hält den Atem an angesichts dieser Instabilitäten und Unsicherheiten.

Klein und dennoch robust
Als Kleinstaat beobachtet Liechtenstein die weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Ereignisse aufmerksam. Gleiches gilt auch für unseren im internationalen Vergleich kleinen Finanzplatz. Der Einfluss auf den Weltlauf ist naturgemäss gering, aber machtlos ist das Fürstentum nicht. Liechtenstein hat in der Vergangenheit eine grosse Widerstandskraft an den Tag gelegt. Diese Resilienz gepaart mit einer gesunden Portion an Pragmatismus werden dafür sorgen, dass Liechtenstein auch diese unsicheren Zeiten zu meistern vermag.

Und wie steht es um den  Finanzplatz? In der Schweiz wird das Thema «too big to fail» bzw. die Angst um «too big to save» heftig diskutiert. Pessimisten betonen, dass die Bilanzsumme der drei grossen liechtensteinischen Banken das BIP um das Mehrfache der Schweiz übersteigt. Doch unterscheidet sich der liechtensteinische Finanzplatz aus mehreren Gründen von den grösseren Finanzplätzen der Welt.

Sichere Geschäftsmodelle
Denn erstens wird der liechtensteinische Bankensektor durch das risikoarme, internationale Vermögensverwaltungsgeschäft dominiert. Die Banken betreiben kein risikoreiches Investmentbanking. Die Geschäftsmodelle sind konservativ, auf Langfristigkeit ausgerichtet und somit sehr widerstandsfähig gegenüber Krisen. Diese Ausrichtung widerspiegelt sich auch im Claim des Finanzplatzes «Denken in Generationen».

Zweitens beträgt die Kernkapitalquote aller Banken in Liechtenstein über 20 Prozent und überschreitet somit die international vorgegebenen Quoten bei Weitem.

Da Liechtenstein über keine eigene Zentralbank verfügt, die in einer Krise als «Lender of last resort» dienen könnte, sind drittens Gesetzgebung und Regulierung derart stark auf die Prävention ausgerichtet, dass es gar nicht erst zu einer Bankenkrise kommen sollte.

Standortvorteil Stabilität
Viertens ist Liechtenstein als eines der wenigen Länder der Welt schuldenfrei; das AAA-Rating von Standard & Poor’s belegt dessen politische und wirtschaftliche Stabilität. Dank des schlank aufgestellten, bürgernahen Staatswesens dürfte die Finanzpolitik auch in Zukunft so solide bleiben. Und mit der beantragten Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds wird diese Stabilität noch weiter gestärkt werden. Wenn Stabilität, Rechtssicherheit, Solidarität und Verlässlichkeit weiterhin die Richtschnur unseres Handelns sind, werden Liechtenstein und sein Finanzplatz auch in solch herausfordernden Zeiten ihren Kurs erfolgreich beibehalten können.

Simon Tribelhorn, Geschäftsführer Liechtensteinischer Bankenverband

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