AAA-Länderrating auch für die Zukunft sichern

Die Weltwirtschaft wurde hart getroffen – Staatsverschuldungen steigen seit dem Ausbruch der Coronapandemie massiv und werden vielerorts über Generationen hinweg anhalten. Um staatliche Hilfspakete und anderweitige Investitionen nicht auch in Zukunft über Schulden finanzieren zu müssen, schlagen viele Länder neue Wege im Kampf gegen die Verschuldungsproblematik ein. US-Präsident Joe Biden will seine milliardenschweren Pakete für Corona-Hilfen, den Klimawandel und die Sanierung der Infrastruktur künftig mittels einer drastischen Steuererhöhung – insbesondere für Unternehmen und Reiche – teilfinanzieren. In Deutschland wird auf politischer Ebene über die Wiedereinführung der Vermögenssteuer sowie einer Anhebung des Spitzensteuersatzes und der Erbschaftssteuer diskutiert. Ausserdem haben sich erst kürzlich die G7-Finanzminister auf einen Mindeststeuersatz von 15 Prozent und die teilweise Besteuerung von Gewinnen in den Ländern, in denen sie effektiv erwirtschaftet werden, geeinigt. Schuldenabbau durch Steuererhöhungen scheint das neue Einheitsmodell zu werden.

Bedeutsamkeit des AAA-Ratings
Die Finanzlage des Fürstentums Liechtenstein hingegen zeigt sich trotz rekordhoher Ausgaben im Corona-Jahr 2020 weiterhin von seiner stabilsten Seite und die bestehenden Reserven verkörpern derzeit einen Wert von 2,3 Mrd. Schweizer Franken. Entsprechend wurde von Seiten der weltweit führenden Kreditratingagentur Standard & Poor’s am 31. Mai 2021 einmal mehr das wertvolle AAA-Länderrating mit stabilem Ausblick bestätigt. Dieses Rating bewertet die Kreditwürdigkeit staatlicher Emittenten hinsichtlich der Effektivität der staatlichen Institutionen und Verwaltungssysteme, der Wirtschaftskraft sowie der aussenwirtschaftlichen, fiskalischen und geldpolitischen Flexibilität. Es drückt in kürzest möglicher Form aus, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Staat seinen Kapitaldienstverpflichtungen nachkommen bzw. seine Schulden tilgen wird. Darüber hinaus wirkt sich das Länderrating aufgrund des Sovereign-Prinzips auch direkt auf die Unternehmenskredite innerhalb dieses Staates aus. Dieses besagt, dass kein inländisches Unternehmen kreditwürdiger als der Staat sein kann. Obschon das Prinzip mittlerweile etwas aufgelockert wurde, kann eine Herabstufung des Länderratings sehr wohl eine entsprechende Herabstufung aller inländischen Unternehmen und damit eine Erhöhung der Finanzierungskosten, ein Verkaufssignal für internationale Investoren sowie die Gefährdung des heimischen Finanzplatzes zur Folge haben. Bankinterne Kontrollsysteme sind mittlerweile so scharf gestellt, dass die Finanzmarktregulierung sowie Kreditentscheidungen streng an derartige Ratingsysteme gekoppelt sind.

Wachstum durch Nachhaltigkeit und Innovation
Liechtenstein tut also gut daran, auch in Zukunft Sorge zu halten zu seiner Schuldenfreiheit, einem ausgeglichenen Staatshaushalt und dem AAA-Länderrating, mit dem sich weltweit aktuell nur noch elf Staaten schmücken dürfen: Australien, Dänemark, Deutschland, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Singapur und eben Liechtenstein. Analog zur neu gestalteten Roadmap 2025 des liechtensteinischen Bankenverbandes sollte der Fokus Liechtensteins auf einem Wachstum durch Nachhaltigkeit und Innovation liegen. Reserven sollten zielgerichtet und zukunftsorientiert in ein lebenswertes Liechtenstein auch für nachkommende Generationen eingesetzt werden.

Fredy Wolfinger, Präsident Verein unabhängiger Vermö­gensverwalter in Liechtenstein (VuVL)

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