Nachhaltigkeit ist in der DNA der Treuhänderschaft verankert

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Der mit dem Nachhaltigkeitsgedanken einhergehende gesellschaftliche Wandel verändert auch die Finanzbranche. Die Treuhandbranche sieht dies positiv, da Langfristigkeit für den Sektor seit jeher ein Gebot war.

 

Als gesellschaftlicher Mega-Trend ist die Nachhaltigkeit in der Finanzbranche angekommen und manifestiert sich in einer hohen Nachfrage nach entsprechenden Anlagen.

In der Schweiz ist das Volumen nachhaltiger Investitionen im Jahr 2021 auf knapp CHF 2 Mrd. angewachsen, was im Jahresvergleich einer Steigerung um 30% entspricht. Ohne das Etikett «nachhaltig» haben es Finanzprodukte heute schwer. Wie nachhaltig die Angebote tatsächlich sind und wie konsequent die Nachhaltigkeit in die Strukturen und Prozesse der Branche integriert ist, ist für die Anlegerinnen und Anleger oft schwierig abzuschätzen. 

 

Das Stiftungs- und Trustwesen verlangt nach Langfristigkeit

Auf dem Finanzplatz Liechtenstein allerdings sollte Nachhaltigkeit seit jeher das Gebot geschäftlichen Handelns sein.

Kern des Finanzplatzes Liechtenstein ist das Stiftungs- und Trustwesen.

Es geht um finanzielle Ressourcen, die einem bestimmten Zweck gewidmet sind, meist dem generationenübergreifenden Vermögenserhalt einer Familie, Personen oder gemeinnützigen Zwecken. Kundschaft, die dem Finanzplatz Liechtenstein und insbesondere Treuhandunternehmen ihr Vertrauen schenkt, erwartet zu Recht, dass die Betreuung dieses Vermögens – seien es Bankvermögen, Unternehmensbeteiligungen, Immobilien oder Kunst – langfristig und umsichtig erfolgt. Dafür braucht es Ruhe und Planung anstatt Aktivismus und kurzfristige Optimierung. Es braucht Stabilität, und zwar über Generationen. Es braucht: Nachhaltigkeit.

 

Nachhaltigkeit ist in der DNA verankert

Eine Herangehensweise, die den Nachhaltigkeitsdreiklang aus ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Elementen umfasst, ist integraler Bestandteil des liechtensteinischen Finanzplatzes. Und dieses wird jetzt noch verstärkt. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeit ist seit jeher in der DNA der Treuhänderschaft verankert und wird jetzt weiter ausgebildet. Hierzu gehört auch die Beachtung der Richtlinien der Vereinten Nationen zur Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung, ESG. 

 

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit bedingt ökologische Nachhaltigkeit

Vor diesem Hintergrund wird auch deutlich, dass ökologische Nachhaltigkeit Hand in Hand geht mit ökonomischer Nachhaltigkeit. Wer für die Herstellung von Produkten oder Dienstleistungen den Einsatz von Material, Arbeit und Zeit nicht optimiert, verliert am Markt. Der optimale Einsatz von Produktionsmitteln minimiert Ausschuss und Emissionen. Wer in sein Geschäftsmodell nicht auch ökologische Gesichtspunkte einbezieht, wird daher vom Markt aber auch von Investoren abgestraft.

 

Aus einer liberalen Optik betrachtet, führt wirtschaftliche Nachhaltigkeit auch zu ökologischer Nachhaltigkeit. Die sicht- und spürbaren Folgen des Klimawandels verdeutlichen die Dringlichkeit dieses Zusammenschlusses.

 

Der Treuhandsektor baut das nötige Rüstzeug aus

Unabhängig von der Branche besteht eine Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen. Es ist eine Pflicht, mit den vorhandenen Ressourcen sorgsam umzugehen. Für die Treuhandbranche ist dieses keine neue Herausforderung, aber eine verstärkte. Denn es ist das oberste Gebot im Stiftungs- und Trustwesen, gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Veränderungen zu antizipieren und im langfristigen Sinne der Kundschaft zu handeln.

 

Eine gesellschaftliche Weichenstellung, wie sie der Nachhaltigkeitsgedanke darstellt, wird auch den Treuhandsektor beeinflussen. Obwohl sich der Treuhandsektor – ohne dieses formell zu betonen – schon lange mit Nachhaltigkeit, «Denken in Generationen» befasst, bemüht er sich, dieses zu verstärken und noch greifbarer zu machen. Die Branche stellt sich dieser Herausforderung.

 

Susan Schneider-Köder, Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Treuhandkammer.

 

 

 

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