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Liechtenstein: Sprungbrett für Blended Finance

Blended Finance bringt verschiedene beteiligte Akteure zusammen, um nachhaltige Investitionen zu fördern.

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Die geopolitischen Instabilitäten definieren die globalen Prioritäten neu. Blended Finance kann dabei einen praktischen Weg zu nachhaltigen Investitionen bieten, wobei sich Liechtenstein dank seinem Ökosystem, seiner Flexibilität und internationalen Reichweite als idealer Standort empfiehlt.

Angesichts der heutigen Turbulenzen stehen Themen wie Sicherheit, Energieunabhängigkeit und Inflation im Mittelpunkt des weltweiten Interesses. Nachhaltigkeit und die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) hingegen sind immer mehr in den Hintergrund geraten und figurieren zurzeit kaum in den Medien oder politischen Diskussionen, auch wenn die Herausforderungen wie Armut, Klimawandel und Ungleichheit nicht an Dringlichkeit verloren haben. Im Gegenteil: Sie nehmen zu und sind eng mit den Krisen verflochten, die derzeit die globale Bühne beherrschen.

Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn

Nachhaltigkeit bleibt unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht und die wirtschaftliche Sicherheit. Dafür unabdingbar sind Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaften. Was wiederum bedeutet, dass wir die entsprechende notwenige Finanzierung überdenken müssen.

Hier kommt Blended Finance als pragmatische, wirkungsvolle Antwort auf geopolitische Prioritäten ins Spiel. Unter Blended Finance versteht man den strategischen Einsatz öffentlicher oder philanthropischer Mittel, um die Risiken für private Investoren bei Entwicklungsprojekten zu reduzieren.

Durch die Kombination von Kapital mit unterschiedlichen Risiko-Rendite-Profilen ermöglicht Blended Finance, kommerzielle Investitionen in Sektoren zu lenken, die traditionell unterversorgt sind oder als zu riskant gelten. Dazu gehören unter anderem erneuerbare Energien, die Finanzierung von Kleinunternehmen oder bezahlbaren Wohnraum.

Dieser Ansatz ermöglicht es Investoren, gleichzeitig finanzielle Renditen wie auch eine sinnvolle Wirkung zu erzielen. Öffentliche Akteure stellen Kapital sozusagen als Katalysator bereit – zum Beispiel in Form von Zuschüssen oder Garantien – das somit auch kleinere oder frühe Projekte finanziell tragfähig macht. Diese Instrumente zur Risikominderung steigern die Attraktivität von Projekten in Schwellenmärkten und ermutigen private Investoren, sich zu beteiligen.

Erfolgsbeispiel aus der Praxis

Aktuelle Daten der weltweit führenden Institutionen für Entwicklungsfinanzierung zeigen, dass Blended Finance konkrete Ergebnisse liefert. Allein im Jahr 2021 mobilisierten rund USD 1.9 Mrd. an öffentlichem Kapital private Investitionen in der Höhe von USD 4.6 Mrd., was einem Anstieg der Beteiligung des Privatsektors um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Mittel unterstützten Projekte, die vom Zugang zu sauberer Energie in Afrika bis hin zu Initiativen für umweltfreundlichen Wohnungsbau in Lateinamerika und Asien reichten.

Blended Finance umfasst ein breites Spektrum an Instrumenten, von vor- und nachgelagerten Anleihen über Eigenkapital bis hin zu Garantien. Dabei wird jeweils nur so viel öffentliche Unterstützung eingesetzt, wie nötig ist, um private Investitionen anzuziehen und den Markt weder zu verzerren noch kommerzielle Finanzierungen zu verdrängen.

Blended Finance erfolgreich umsetzen: Wichtige Erkenntnisse

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Erfolg von Blended Finance von einer soliden Strukturierung, einer klaren Ausrichtung der Anreize und einer robusten Wirkungsüberwachung abhängt. Projekte müssen echte Marktversagen beheben und dürfen nicht einfach nur subventionieren. Öffentliches Kapital muss strategisch eingesetzt werden – mit einem klaren Ausstiegsplan bzw. einem Übergang hin zur kommerziellen Tragfähigkeit im Laufe der Zeit.

Entscheidend ist auch die Transparenz. Die Interessengruppen müssen sich nicht nur hinsichtlich der finanziellen Rendite, sondern auch hinsichtlich der Entwicklungsziele abstimmen. Eine klare Berichterstattung, unabhängige Evaluationen und die Rechenschaftspflicht der Interessengruppen tragen dazu bei, dass Blended Finance sowohl messbare Wirkung als auch finanzielle Performance erzielt.

Zwecks Skalierung muss Blended Finance zudem effizienter werden. Standardisierte Strukturen, vereinfachte Dokumentation und programmatische Plattformen können dazu beitragen, die Transaktionskosten zu senken, den Zugang für kleinere Unternehmen zu verbessern und die Übertragung auf neue Regionen zu beschleunigen.

Beste Voraussetzungen

Liechtensteins Potenzial, im Bereich von Blended Finance eine Vorreiterrolle einzunehmen, ist beträchtlich. Sein Finanzsystem ist international vernetzt, hochentwickelt und geniesst grosses Vertrauen. Als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit engen Verbindungen zum Schweizer Markt bietet Liechtenstein einen doppelten Zugang zu zwei wichtigen Wirtschaftsregionen.

Das Land beherbergt eine hohe Konzentration an Family Offices, verantwortungsbewussten Investoren und Stiftungen, die zunehmend nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten suchen.

Seine rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen sind gut etabliert und dennoch flexibel genug, um Innovationen Raum zu geben. Die Agilität seiner Institutionen ist besonders wertvoll, wenn neue Finanzinstrumente oder Instrumente zur Wirkungsmessung getestet werden.

Kurz gesagt: Liechtenstein verbindet globale Vernetzung mit einem kooperativen Finanzökosystem und einem starken Engagement für verantwortungsbewusste Finanzwirtschaft. Diese Eigenschaften machen es zu einem idealen Umfeld für die Erprobung und Skalierung von Blended-Finance-Lösungen.

Eine Drehscheibe für Innovation und globale Wirkung

Das Potenzial Liechtensteins geht weit über die Erleichterung von Geschäften hinaus. Das Land kann eine Schlüsselrolle bei der Konzeption und dem Betrieb von Blended-Finance-Plattformen der nächsten Generation spielen – Impact-Fonds, Klimafinanzierungsinstrumente oder Sozialanleihen –, die den europäischen und globalen Standards entsprechen.

Mit seiner Erfolgsbilanz in den Bereichen Private-Wealth-Services, Anlagefonds, Treuhandverwaltung und Philanthropie ist Liechtenstein ideal positioniert, um ein bevorzugter Standort für SDG-konforme Fonds und zweckgebundenes Kapital zu werden.

Durch die Förderung von Partnerschaften zwischen Entwicklungsagenturen, Entwicklungsfinanzierungsinstituten (DFIs), Privatbanken und philanthropischen Akteuren ist Liechtenstein ein Kompetenzzentrum für Innovationen im Bereich der nachhaltigen Finanzierung. Die Grösse des Landes ist keineswegs ein Nachteil, sondern ermöglicht es ihm, zu einem globalen Labor für neue Finanzierungsansätze zu werden, die an anderen Orten repliziert werden können.

Blended Finance ist eine unverzichtbare Strategie, um die globale Investitionslücke im Bereich der nachhaltigen Entwicklung zu schliessen. Sie schlägt eine Brücke zwischen kommerziellem Kapital und Entwicklungswirkung, zwischen Risiko und Chance. Um erfolgreich zu sein, braucht es Orte, an denen Finanzinnovation, Regulierung und Partnerschaften zusammenfliessen können. Liechtenstein ist einer dieser Orte.

Simon Tribelhorn, Vizepräsident Liechtenstein Finance und Geschäftsführer Liechtensteinischer Bankenverband (LBV)