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Erster Philanthropiereport schafft Transparenz im Stiftungssektor

Das Center für Philanthropie der Universität Liechtenstein präsentiert mit dem ersten Philanthropiereport eine fundierte Analyse des Stiftungssektors.

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Der Bericht beleuchtet Strukturen, Schwerpunkte und Rahmenbedingungen und hebt Liechtensteins internationale Spitzenstellung in der Philanthropie hervor.

Tradition des Gebens trifft auf Analyse

Philanthropie hat in Liechtenstein eine lange Tradition. Eine ausgeprägte Kultur des Gebens, stabile rechtliche Rahmenbedingungen und ein starkes Verantwortungsbewusstsein fördern das Engagement von Stifterinnen, Vereinen und Ehrenamtlichen. Neben international tätigen Philanthropen setzen sich auch viele Einheimische nachhaltig für das Gemeinwohl ein.

Der Philanthropiereport schliesst eine wichtige Lücke: Er bietet erstmals eine systematische, datenbasierte Übersicht über Umfang, Struktur und Wirkung der Philanthropie in Liechtenstein.

Stiftungen und Vereine als Rückgrat des Gemeinwohls

Im Mittelpunkt des Reports stehen Stiftungen und Vereine, die das gesellschaftliche Fundament des Landes prägen. Eigene Datenerhebungen liefern erstmals belastbare Zahlen zur philanthropischen Landschaft. Diese zeigen eindrucksvoll, wie stark gemeinnützige Organisationen das Gemeinwohl stützen.

Bisher fehlten systematische und tiefgehende Daten für Liechtenstein. Der Report schafft eine verlässliche Grundlage für Praxis, Politik und Forschung und bietet Einblicke in Entwicklungen, Schwerpunkte und Potenziale.

1’564 Stiftungen mit gemeinnützigem Zweck

Zum 31. Dezember 2024 zählte Liechtenstein 1’564 Stiftungen mit philanthropischem Zweck. Davon waren 1’398 überwiegend gemeinnützig, während 166 Stiftungen teils privatnützige, teils gemeinnützige Ziele verfolgten. Der Sektor wächst stabil: 2024 kamen netto 13 Stiftungen hinzu. Nach Abzug von 60 Stiftungen in Liquidation waren zum Jahresende 1’504 Organisationen aktiv.

Soziales dominiert, globale Themen gewinnen an Bedeutung

Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Stiftungen im sozialen Bereich, der gut 19 Prozent ausmacht. Wissenschaft, Forschung sowie Kunst und Kultur folgen mit jeweils rund 14 Prozent. Diese Bereiche spiegeln klassische Felder der Philanthropie wider.

Neugründungen der letzten zehn Jahre zeigen jedoch eine Verschiebung: Globale Themen wie Umwelt- und Klimaschutz (11 Prozent) sowie Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (10 Prozent) gewinnen an Gewicht, während Bildung und Gesundheit leicht an Bedeutung verlieren. 68 Prozent der Stiftungen konzentrieren sich strategisch auf ein oder zwei Zweckkategorien.

Spitzenplatz im GPEI bestätigt Liechtensteins Attraktivität

Die internationale Ausrichtung der Stiftungen unterstreicht Liechtensteins Offenheit: Nur drei Prozent der Stiftungen agieren ausschliesslich im Inland, die Mehrheit ist grenzüberschreitend tätig.

Der Global Philanthropy Environment Index (GPEI) 2025 bestätigt diese Stärke: Liechtenstein belegt – wie schon 2022 – den ersten Platz. Der Index bewertet weltweit die Rahmenbedingungen für Philanthropie, darunter rechtliche Sicherheit, steuerliche Anreize und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Spitzenposition zeigt, dass Liechtenstein Philanthropie nicht nur ermöglicht, sondern aktiv fördert und sich als einer der attraktivsten Standorte weltweit etabliert hat.

Impulse für die Zukunft

Der Philanthropiereport bündelt Wissen, verknüpft Praxis und Wissenschaft und stärkt die Philanthropie in und aus Liechtenstein. Er soll neue Impulse für Engagement und Stiften geben und eine Grundlage für den gesellschaftlichen Dialog über die Zukunft des Gemeinwohls schaffen.

Prof. Dr. Marc Gottschald, Direktor Center für Philanthropie der Universität Liechtenstein und Vize-Dekan der Liechtenstein Business Law School